aus einer Konzertlesung ein Weg wird?
Vor einigen Jahren haben wir mit Was wäre, wenn Weihnachten …?begonnen. Seitdem ist diese Konzertlesung für uns etwas sehr Besonderes geworden. Jeder Abend hat seine eigene Stimmung, seine eigene Tiefe, seine eigene Begegnung mit dem Publikum. Und jedes Mal spüren wir neu, dass dieser Abend Menschen erreicht.
Vielleicht gerade deshalb, weil er nicht einfach das erfüllt, was man zunächst mit Weihnachten verbindet. Es geht darin nicht um Weihnachtslieder und Frohsinn allein, nicht um festliche Oberfläche und vertraute Stimmung. Uns hat an diesem Programm von Anfang an etwas anderes interessiert: der Blick auf das, was im Alltag oft untergeht. Auf das Zwischenmenschliche. Auf die feinen Verschiebungen in der Wahrnehmung. Auf die Frage, warum Menschen so sind, wie sie sind, warum sie reagieren, wie sie reagieren, und was sich verändert, wenn wir bereit sind, genauer hinzusehen.
In den Texten und in der Musik von Was wäre, wenn Weihnachten…? geht es genau darum. Um Geschichten, in denen Menschen einander verfehlen und trotzdem nach Nähe suchen. Um Missverständnisse, Verletzlichkeit, Sehnsucht, Überforderung, Erinnerung. Um die Fähigkeit, wahrzunehmen. Um den Wunsch, zu verstehen. Und vielleicht noch mehr: um die Bereitschaft, verstehen zu wollen.
Gerade darin liegt für uns der Kern dieses Abends. Denn Verstehen ist nichts Abstraktes. Es beginnt oft in einem kleinen Moment: in einem zweiten Blick, in einem anderen Hören, in dem Entschluss, einen Menschen nicht vorschnell auf seinen ersten Eindruck festzulegen. Daraus kann etwas entstehen, das über den Augenblick hinausweist: ein Gespräch, ein neuer Gedanke, manchmal sogar so etwas wie echter Diskurs.
Für uns als Duo ist das auch künstlerisch ein ganz wesentlicher Punkt. Musik lebt von Wahrnehmung. Gerade in der Kammermusik geht nichts ohne dieses genaue Hören: aufeinander achten, reagieren, Raum geben, aufnehmen, antworten. Zwischen Klarinette und Akkordeon entsteht Musik nicht einfach nebeneinander, sondern im Miteinander. Im Hören. Im Timing. Im Vertrauen darauf, dass Kommunikation nicht erst mit dem Wort beginnt, sondern schon im Klang, im Atem, in der Stille dazwischen.
Deshalb war uns Was wäre, wenn Weihnachten …? immer mehr als ein saisonales Programm. In den vergangenen Auftritten ist uns immer deutlicher geworden, dass das, was uns darin beschäftigt, nicht nur für diese eine Zeit im Jahr Bedeutung hat. Die Fragen, die wir dort stellen, tragen weit darüber hinaus. Sie gehören in den Alltag. In unsere Begegnungen. In unser Hören aufeinander. In die Kunst. Und in das, was Kunst in uns auslösen kann.
Aus dieser Erfahrung heraus ist Was wäre, wenn …? entstanden.
Für uns ist das eine Weiterentwicklung. Ein neuer Raum für dieselben wesentlichen Fragen. Ein Raum, in dem wir gemeinsam weiterdenken, weiterhören, weiter erzählen können. Über das, was uns als Künstlerinnen beschäftigt. Über das, was uns im Menschlichen berührt. Und über das, was im Alltag oft übersehen wird und doch so viel in Bewegung setzt.
Wir freuen uns sehr, diesen Weg weiterzugehen.


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