Klarinette und Akkordeon sind in der klassischen Kammermusik keine alltägliche Besetzung. Originalliteratur für beide Instrumente gibt es nur wenig.
Lange könnte man das als Begrenzung betrachten. Für uns ist daraus etwas anderes geworden: Freiheit.
Wir können nicht einfach ein großes vorhandenes Repertoire abarbeiten. Bei jedem Stück müssen wir neu entscheiden, ob und wie es mit unseren Instrumenten erzählt werden kann. Was ist sein Kern? Welche Stimme trägt einen Gedanken? Wo braucht es Klangfülle, wo Luft, wo Reibung? Und was darf sich verändern, ohne dass das Stück seine Identität verliert?
Eine Bearbeitung ist deshalb für uns keine Übersetzung, bei der jedes Wort nur durch ein anderes ersetzt wird. Sie ist eine Interpretation. Das Akkordeon imitiert weder Klavier noch Orchester. Die Klarinette übernimmt nicht automatisch jede Melodie. Beide Instrumente bringen ihre eigenen Möglichkeiten mit: Atem, Balg, Farbe, Beweglichkeit, Widerstand.
Manchmal zeigt ein Stück dabei eine Seite, die wir in seiner ursprünglichen Besetzung selbst nicht gehört hatten. Manchmal funktioniert eine Idee überhaupt nicht. Auch das gehört dazu. Wir probieren, verwerfen und beginnen noch einmal.
Vielleicht hat gerade das unsere gemeinsame Sprache geprägt: Wir mussten sie erfinden, statt sie übernehmen zu können.
Wer diese musikalische Sprache hören möchte: https://music.apple.com/de/album/deeper-insight/6810140889


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