Manche Stücke erschließen sich sofort. Andere bleiben zunächst auf Abstand.
Johann Friedrich Faschs Concerto in B-Dur für Chalumeau war für mich ein solches Stück. Elke übernimmt in unserer Fassung mit der Klarinette den Solopart. Das Akkordeon trägt dagegen Funktionen eines ganzen Orchesters: harmonisches Fundament, Gegenstimme, rhythmische Bewegung und unterschiedliche Klangfarben.
Die Schwierigkeit lag für mich zunächst nicht in den Tönen. Sie lag darin, aus ihnen eine Erzählung zu machen.
Ein wichtiger Zugang wurde Nikolaus Harnoncourts Gedanke der „Klangrede“. Barocke Musik besteht nicht aus einer gleichmäßigen Folge schöner Töne. Motive treten auf, antworten einander, widersprechen sich, führen einen Gedanken weiter oder unterbrechen ihn. Pausen können Satzzeichen sein. Wiederholungen sagen nicht automatisch dasselbe.
Nicht erst seitdem frage ich bei diesem Stück weniger: Wie spiele ich diese Passage richtig? Die interessantere Frage lautet: Was wird hier gerade gesagt?
Das verändert auch das Zusammenspiel. Eine Solostimme braucht ein Gegenüber, das zuhört. Eine Begleitung muss wissen, wann sie trägt, wann sie reagiert und wann sie selbst einen Gedanken beginnt.
Faschs Musik wirkt klar und licht. Gerade deshalb kann man sich in ihr kaum verstecken. Jede musikalische Entscheidung wird hörbar.
Vielleicht ist das der tiefere Einblick, den mir dieses Stück gegeben hat: Genauigkeit entsteht nicht erst durch perfekte Ausführung. Sie beginnt damit, wirklich zu verstehen, was man sagen möchte.
Faschs Concerto auf deeper insight: https://music.apple.com/de/album/deeper-insight/6810140889


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