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Der Moment, in dem ich vor Staunen das Spielen vergaß

D'Ané (Elke Bürger & Janina Rüger-Aamot)

In einer unserer frühen Proben spielten wir Astor Piazzollas Violentango.

Oder genauer: Elke spielte. Ich hörte ihr zu.

Ich war so fasziniert von dem, was sie mit der Klarinette machte, dass ich meinen eigenen Einsatz verpasste. Für einige Augenblicke war ich keine Duopartnerin mehr, sondern nur noch Zuhörerin.

Diese Erinnerung ist geblieben. Nicht, weil ein verpasster Einsatz besonders bemerkenswert wäre. Sondern weil sie etwas über gemeinsames Musizieren erzählt.

Nach vielen Jahren kennt man die andere Person sehr genau. Man kennt ihre Art zu atmen, ihre kleinen Zeichen, ihre Energie an guten Tagen und ihre Ungeduld an schwierigen. Man hat diskutiert, verworfen, sich angenähert und wieder Abstand gebraucht.

Vertrautheit kann vieles leichter machen. Sie birgt zugleich die Gefahr, dass man aufhört, wirklich hinzuhören.

Der Moment mit Violentango steht für das Gegenteil. Für die Fähigkeit, sich von einem Menschen überraschen zu lassen, den man längst sehr gut kennt.

Natürlich spiele ich das Stück inzwischen vollständig. Auf der CD fehlt kein Einsatz. Das Staunen ist trotzdem geblieben.

Vielleicht ist das nach all den gemeinsamen Jahren einer der wertvollsten Teile unseres Zusammenspiels: Wir wissen sehr viel voneinander – und haben einander musikalisch noch immer nicht zu Ende entdeckt.

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