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deeper insight

Das neue Album von D’Ané

deeper insight

Klangspuren im Leben

Klarinette und klassisches Akkordeon begegnen sich als zwei eigenständige kammermusikalische Stimmen – aufmerksam, beweglich und überraschend nah.

CD-Veröffentlichung 1. September 2026
Digital erhältlich ab 4. September 2026
Albumcover deeper insight D'Ané
"An meinem Instrument begeistert mich, wie fein und beweglich es sich in ein kammermusikalisches Gespräch einfügen kann. Es greift Impulse auf, setzt eigene Akzente und verändert über den Balg selbst kleinste Klangnuancen.
Auf deeper insight begegnen sich Klarinette und Akkordeon genau in diesem offenen Dialog. Beide behalten ihre eigene Farbe und rücken zugleich immer wieder so nah zusammen, dass ein gemeinsamer Klang entsteht."
Janina Rüger-Aamot

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deeper insight – Klangspuren unseres gemeinsamen Weges

Musik entsteht aus dem Leben. Auch wenn ein Komponist scheinbar allein am Schreibtisch sitzt, fließen Erfahrungen, Begegnungen, Sehnsüchte, Brüche und die Zeit, in der er lebt, in seine Musik ein. Zugleich schreibt sich Musik in das Leben der Menschen ein, die sie spielen. Manche Werke begegnen uns für einen kurzen Augenblick, andere fordern uns heraus, begleiten uns über Jahre oder verändern unseren Blick auf das, was musikalisch möglich ist.

Aus diesem Gedanken ist deeper insight entstanden.

Das Album ist mehr als ein Best-of unserer gemeinsamen Zeit als D’Ané. Es zeichnet unseren Weg nach – durch die Stücke, mit ihnen und manchmal auch gegen ihren Widerstand. Jedes Werk steht für eine Etappe unserer Entwicklung: für eine Begegnung, ein künstlerisches Wagnis, eine Herausforderung oder einen besonderen Moment zwischen uns.

Die Idee zu dieser CD begleitet uns schon lange. Das Leben hatte allerdings seinen eigenen Zeitplan. Die Pandemie, persönliche Veränderungen, neue Projekte und vieles, was uns in diesen Jahren beschäftigte, ließen deeper insight immer wieder warten. Währenddessen haben wir weitergespielt, gesucht, verworfen und uns verändert. Einige Stücke rückten uns näher, andere bekamen eine neue Bedeutung. So ist dieses Album heute nicht mehr dasselbe, das wir ursprünglich hätten aufnehmen können. Es erzählt von den Musikerinnen, die wir inzwischen geworden sind.

Zwei Instrumente und ein nahezu grenzenloses Repertoire

Klarinette und Akkordeon bilden in der klassischen Kammermusik eine verhältnismäßig ungewöhnliche Besetzung. Originalliteratur für diese Kombination gibt es nur wenig. Für uns bedeutet das vor allem Freiheit.

Wir wildern hemmungslos in unterschiedlichen Jahrhunderten, Stilen und Besetzungen. Ein Werk muss ursprünglich weder für Klarinette noch für Akkordeon geschrieben worden sein. Entscheidend ist, ob uns seine musikalische Sprache fasziniert und ob wir mit unseren Instrumenten etwas Eigenes darin entdecken können.

Jede Bearbeitung beginnt deshalb mit Fragen: Was ist der Kern dieses Stücks? Welche Stimmen tragen seine Architektur? Wo findet ein Dialog statt? Welche Klangfarbe übernimmt welche Funktion? Und wie können wir diese Musik mit Klarinette und Akkordeon erzählen, ohne lediglich eine ursprüngliche Besetzung zu imitieren?

Das Akkordeon kann harmonisches Fundament, rhythmischer Motor und Gegenstimme sein. Es kann atmen, flüstern, aufbegehren und beinahe orchestral klingen. Klarinette und Bassklarinette besitzen eine enorme Spannweite zwischen Leichtigkeit, Wärme, Schärfe und dunkler Tiefe. In dieser Verbindung entstehen Klangräume, die uns selbst immer wieder überraschen.

Paris: Freiheit unter Beobachtung

Eine wichtige Station führte uns 2014 zum internationalen Kammermusikwettbewerb TIM nach Paris. Wir erreichten die Runde der letzten acht Ensembles und erlebten dort eine besonders verdichtete Form dessen, was das Leben professioneller Musikerinnen prägt.

Ein Wettbewerb verlangt Disziplin, Präzision und eine bis ins Detail durchgearbeitete Vorbereitung. Im entscheidenden Moment soll all diese Arbeit jedoch unsichtbar werden. Dann geht es darum, frei zu spielen, im Augenblick zu gestalten und Menschen mit Musik zu erreichen – während zugleich jede Nuance bewertet wird.

Die Enttäuschung darüber, die letzte Runde nicht erreicht zu haben, gehörte ebenso zu dieser Erfahrung wie der spätere Stolz auf das, was wir geschafft hatten. Paris wurde für uns zu einem wichtigen Entwicklungsschritt. Für Janina steht dieser Wettbewerb bis heute wie ein Brennglas für eine zentrale Frage ihres musikalischen und beruflichen Weges: Wie kann unter Druck jene Freiheit entstehen, die wirkliche Gestaltung erst möglich macht?

Zu unserem Wettbewerbsprogramm gehörte Jean Françaix’ Tema con variazioni. Françaix schrieb das Werk 1974 für eine Klarinettenprüfung am Pariser Conservatoire. Das Thema widmete er seinem Enkel Olivier. Aus einem kleinen musikalischen Ruf entwickelt er sechs höchst unterschiedliche Variationen und eine Kadenz.

Wer Kinder kennt, weiß, wie viele Bedeutungen ein einziger gerufener Name haben kann: zärtlich, mahnend, ungeduldig, lockend oder ausgelassen. Françaix spielt diese Möglichkeiten mit Witz, Virtuosität und großer gestalterischer Feinheit aus. Ein Werk, das für eine Prüfungssituation entstand, wird dadurch zu einem kleinen, lebendigen Charakterporträt – und begleitet auf dieser CD unsere eigene Geschichte mit Wettbewerb, Anspruch und musikalischer Freiheit.

Musik als Klangrede

Johann Friedrich Faschs Concerto in B-Dur für Chalumeau erschloss sich uns auf einem anderen Weg. Das Chalumeau ist ein Vorläufer der Klarinette, ein Rohrblattinstrument mit weichem, dunklem und vergleichsweise tiefem Klang. Fasch stellt die Solostimme einem Orchester aus Oboen, Fagott, Streichern und Continuo gegenüber.

In unserer Fassung übernimmt die Klarinette den Solopart, während das Akkordeon vor der Aufgabe steht, die wesentlichen Funktionen eines ganzen Orchesters hörbar zu machen: als harmonische Grundlage, als dialogisches Gegenüber und als Träger verschiedener instrumentaler Farben.

Das viersätzige Concerto folgt der Abfolge langsam – schnell – langsam – schnell. Seine Architektur lebt vom Wechselspiel zwischen Solo und Ensemble. Gedanken werden vorgestellt, aufgenommen, beantwortet, weitergeführt und verändert. Für Janina lag darin zunächst eine durchaus steinige Passage des gemeinsamen Weges.

Der entscheidende Zugang entstand über Nikolaus Harnoncourts Verständnis von Musik als Klangrede. Wie in einer gesprochenen Sprache müssen musikalische Bausteine erkennbar bleiben. Ein Motiv besitzt eine Funktion, eine Phrase hat Richtung, eine Pause kann zum Satzzeichen werden. Erst wer diese einzelnen Elemente wahrnimmt und ihre Beziehung zum Ganzen versteht, kann danach fragen, was der Sprechende eigentlich zu sagen hat.

Faschs Musik wirkt dabei klar, licht und präzise. Gerade diese Klarheit lässt wenig Raum, sich zu verstecken – und macht das Werk für uns so reizvoll.

Liebe, Feuer und ein schwankender Boden

El amor brujo von Manuel de Falla führt in eine vollkommen andere Klangwelt. Der Titel lässt sich etwa mit „Der Liebeszauber“ oder „Verhexte Liebe“ übersetzen. Das Werk entstand für die Flamencotänzerin Pastora Imperio und wurde 1915 in Madrid als Verbindung von Musik, Gesang, Tanz und gespielter Szene uraufgeführt. De Falla bearbeitete es später mehrfach.

Im Mittelpunkt steht Candela. Sie liebt Carmelo, wird jedoch vom Geist eines früheren Liebhabers verfolgt, der sie nicht freigeben will. Erst durch List, Tanz und Ritual kann das Paar dessen Macht überwinden. Liebe erscheint hier als zartes Gefühl und zugleich als Feuer, Eifersucht, Erinnerung, Schmerz und Befreiung.

Für deeper insight haben wir Pantomima und Canción del amor dolido, das „Lied der schmerzenden Liebe“, ausgewählt. Unregelmäßig gruppierte Rhythmen lassen die Musik wiegen, drängen, stocken und wieder nach vorn kippen. Der Boden scheint sich fortwährend leicht zu verschieben. Gerade darin wird Candelas innere Unruhe beinahe körperlich spürbar.

Unsere Instrumente übernehmen in dieser Musik mehr als melodische und harmonische Aufgaben. Sie werden zu Figuren einer Szene, reagieren aufeinander, ziehen sich an, widersetzen sich und treiben die Handlung weiter.

Die Lehrerin, die nach dem Eigenen suchte

Nadia Boulanger begegnete uns zunächst über Astor Piazzolla. Piazzolla kam 1954 mit einem Stipendium nach Paris, um bei ihr zu studieren. Er wollte sich als klassischer Komponist beweisen und zeigte ihr Fugen, Sonaten und Orchesterwerke. Boulanger erkannte seine Fähigkeiten – und spürte zugleich, dass in dieser Musik etwas Entscheidendes fehlte: seine eigene Stimme.

Erst als Piazzolla ihr von Buenos Aires, vom Bandoneon und vom Tango erzählte und schließlich seinen Tango Triunfal spielte, hörte sie den unverwechselbaren Musiker in ihm. Diese Begegnung wurde zu einem Wendepunkt. Piazzolla begann, seine Herkunft, den argentinischen Tango und seine zeitgenössische kompositorische Ausbildung miteinander zu verbinden. Daraus entwickelte sich die Sprache des Tango Nuevo.

Auf deeper insight ist Nadia Boulanger jedoch nicht nur durch ihren Einfluss auf Piazzolla präsent. Mit ihren Trois Pièces begegnet sie uns selbst als Komponistin. Die drei Stücke entstanden zunächst 1911 für Orgel; 1914 richtete Boulanger sie für Violoncello und Klavier ein.

Ihre Tonsprache besitzt für uns eine besondere Faszination. Immer wieder scheint etwas vertraut – eine Wendung, eine Harmonie, ein Gefühl von Zuhause. Im nächsten Moment verschiebt sich die Perspektive. Linien lösen sich von ihrer Schwerkraft, Farben verändern sich, Ruhe wird fragil und das letzte Stück entwickelt eine nervöse, fast körperliche Energie.

Diese Musik öffnet eine vertraute Tür und führt dahinter in eine Welt, in der andere Gesetze gelten.

Tango zwischen Dunkelheit, Sehnsucht und Bewegung

Ástor Piazzolla begleitet uns seit vielen Jahren. Für ein Duo mit Akkordeon führt an ihm beinahe kein Weg vorbei – und doch bleibt seine Musik alles andere als selbstverständlich. Piazzolla verbindet die Körperlichkeit und Melancholie des Tangos mit der formalen Arbeit und den Klangmöglichkeiten der Musik des 20. Jahrhunderts.

Novitango beginnt beinahe improvisierend. Kleine Floskeln erscheinen wie Lichtpunkte in der Dunkelheit, einzelne Töne werden in die Stille geworfen. Erst nach und nach verdichtet sich das Material. Eine Melodie wird erkennbar, ein Rhythmus entsteht, die Musik findet etwas, woran sie sich festhalten kann.

Auch Violentango ist für uns mit einer sehr persönlichen Erinnerung verbunden. In einer unserer frühen Proben hörte Janina Elke beim Spielen zu – und war so fasziniert von ihrem Klang, dass sie ihren eigenen Einsatz vergaß. Die Akkordeonstimme fehlte, ohne dass sie es im ersten Moment bemerkte.

Inzwischen erklingt das Werk selbstverständlich vollständig, auch auf dieser CD. Geblieben ist die Erinnerung an einen jener kostbaren Augenblicke, in denen aus dem gemeinsamen Arbeiten plötzlich reines Staunen wird.

Eine Zusammenarbeit über viele Jahre besteht aus Proben, Konzerten, unterschiedlichen Vorstellungen, Diskussionen und unzähligen Versuchen. Zugleich ist sie etwas sehr Persönliches. Wir haben die Familien der jeweils anderen kennengelernt, sind enge Freundinnen geworden und teilen weit mehr als eine Bühne. Violentango steht deshalb auch für die Fähigkeit, einander nach all diesen Jahren noch immer überraschen zu können.

Mit Satumaa führt uns der Tango von Argentinien nach Finnland. Der Titel bedeutet „Märchenland“ – ein fernes Sehnsuchtsland jenseits des Meeres, in dem das Glück wartet und das nur in Gedanken erreichbar scheint. Unto Mononens Satumaa wurde zu einem der bekanntesten finnischen Tangos überhaupt.

Der finnische Tango besitzt eine eigene musikalische Welt. Er steht meist in Moll, ist häufig langsamer und geradliniger als sein argentinischer Verwandter und verbindet Zurückhaltung mit tiefer Leidenschaft und Melancholie.

Schon der Weg zu den Noten passte erstaunlich gut zum Inhalt des Stücks. Wir fanden jemanden, der jemanden kannte, der wiederum jemanden fragen konnte. Über diesen privaten Weg erreichte uns schließlich das Material.

In unserer Fassung spielt Elke die Melodie auf der Bassklarinette, während die Begleitung häufig darüber liegt. Für Janina entsteht dabei das Bild einer totalen Sonnenfinsternis: Der tiefe Ton steht mit seiner ganzen Präsenz im Mittelpunkt, das Akkordeon umgibt ihn wie die leuchtende Korona. Seine eigene Substanz tritt zurück und wird zu einem Glimmen um den Klang. Daraus bricht das Stück immer wieder in rhythmische, tänzerische Passagen und Glissandi auf – ein Sehnsuchtsland mit überraschend vielen Landschaften.

Ein Stück zum Festhalten

Prayer aus Ernest Blochs Zyklus From Jewish Life gehört zu den Werken, die uns über lange Zeit begleiten. Manche Ensembles besitzen ein solches Stück: eines, zu dem sie immer wieder zurückkehren und das mit den Jahren neue Bedeutungen annimmt.

Das Wort „Maskottchen“ wäre dafür zu klein. Prayer ist eher ein musikalischer Halt. Für Janina liegen darin Hoffnung, Liebe und Schmerz, aber auch die Suche nach einem Umgang mit der Geschichte, die uns prägt und für die wir Verantwortung tragen.

Das Stück wurde deshalb auch Teil unserer Konzertlesung Was wäre, wenn Weihnachten…?. Dort verbindet es Erinnerung und Schwere mit der Möglichkeit von Leichtigkeit und Unbekümmertheit. Schmerz verschwindet dadurch nicht. Er geht mit – und trotzdem kann etwas Neues entstehen.

Vielleicht steht Prayer damit besonders deutlich für das, was deeper insight im Innersten erzählt: Unser Leben besteht selten aus nur einer Farbe. Hoffnung schließt Schmerz nicht aus. Leichtigkeit muss Geschichte nicht vergessen. Tiefe und Freude können gleichzeitig existieren.

Ein musikalisches Selbstporträt

deeper insight versammelt Musik aus verschiedenen Jahrhunderten, Ländern und Traditionen. Barocke Klarheit trifft auf französische Klangkunst, spanisches Feuer, jüdisch geprägte musikalische Erinnerung sowie argentinischen und finnischen Tango.

Zusammengehalten werden diese Welten durch unsere gemeinsame Geschichte.

Die Stücke zeigen, wonach wir suchen, woran wir arbeiten, womit wir ringen und was uns berührt. Sie erzählen von Leistungsdruck und Freiheit, von Freundschaft, Sehnsucht und Verantwortung. Sie erinnern an Menschen, die uns begleitet und Impulse in unser Leben gesetzt haben. Und sie zeigen, wie zwei Instrumente miteinander sprechen können, wenn zwei Musikerinnen über viele Jahre lernen, miteinander zu hören, zu denken und zu atmen.

deeper insight ist deshalb kein abgeschlossener Rückblick. Das Album hält einen Moment unseres Weges fest – mit allem, was bis hierher geführt hat, und mit der Offenheit für das, was daraus noch entstehen wird.

Das Programm

Trackliste

Jean Françaix (1912–1997)

Tema con variazioni

Antonio Vivaldi (1678–1741)

Sonate Nr. 1 in B-Dur, RV 47

Largo · Allegro · Andante · Allegro

Manuel de Falla (1876–1946)

El amor brujo

Pantomima · Canción del amor dolido

Nadia Boulanger (1887–1946)

Trois Pièces

Moderato · Sans vitesse · Vite et nerveusement rythmé

Johann Friedrich Fasch (1688–1758)

Concerto B-Dur

Largo · Un poco allegro · Largo · Allegro

Ástor Piazzolla (1921–1992)

Novitango

Ernest Bloch (1880–1959)

Prayer

aus „From Jewish Life“

Unto Mononen (1930–1968)

Satumaa

Ástor Piazzolla (1921–1992)

Violentango

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Janina Rüger-Aamot